Rath

Der oben beschriebene ursprüngliche Ortsname „Rode“ oder „Rohde“ lässt den Rückschluss zu, dass zunächst fränkische Bauern im frühen Mittelalter diesen Teil des damaligen Urwaldes rodeten, die Fläche urbar machten und sich in der Rodung niederließen.

Im Dreißigjährigen Krieg, genauer im Schwedisch-Französischen Krieg (1635–1648), geriet Rath zwischen die Fronten der französischen Truppen, die nach der Schlacht auf der Kempener Heide von Nordwesten her anrückten, und der kaiserlichen Truppen, die sich im Bereich des Vorgebirges bei Lechenich verschanzt hatten. Die französischen Truppen belagerten die Festung Lechenich im Januar 1642 fast fünf Wochen lang. In dieser Zeit war auch Rath Lagerstätte der französischen Truppen und Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.

Im Verlauf des Jahres 1642 wurde Rath durch ein hessisch-weimarisch-französisches Söldnerheer gebrandschatzt. Höfe und Häuser wurden zerstört und verbrannt, die Felder wurden verwüstet und geödet. Die Menschen, soweit sie überlebt hatten, flüchteten, und Rath war die folgenden sieben Jahre nahezu unbesiedelt.

Rath gehörte von 1177 bis 1803 zum Kirchspiel/Pfarre Nörvenich. Von 1803 bis 1805 gehörte Rath zur Pfarre Oberbolheim und ab 1805 zur Pfarre Wissersheim. Heute ist die katholische Pfarrgemeinde Teil der Weggemeinschaft Nörvenich. Vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts tagte in der St.-Nikolaus-Kapelle in Rath der Send der Pfarrei Nörvenich. Dieses geistliche Sittengericht überlebte in Rath die Wirren der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts und geriet nicht, wie in vielen umliegenden Orten, in Vergessenheit.

Die politische Zugehörigkeit Raths wechselte häufiger. Nachgewiesen sind 1549 eine Zugehörigkeit zum Herzogtum Jülich, 1555 eine Zugehörigkeit zum Amt Hochkirchen und 1813 zum Amt Buir. 1818 wird Rath dem Amt Nörvenich zugeschlagen. Seit der Kommunalreform – kleine, dörfliche Ämter wurden zu großen Verwaltungseinheiten zusammengefasst – im Jahr 1969 gehört Rath zur Großgemeinde Nörvenich.

Im Jahr 1875 trat in Rath eine Scharlach-Epidemie auf. Die Gesamtzahl der Opfer ist nicht bekannt, es starben jedoch 17 Schulkinder an der Krankheit. Das war zur damaligen Zeit mehr als die Hälfte aller Schulkinder in Rath.

Während Rath lange Jahre durch landwirtschaftliche Betriebe geprägt war und die Einwohner der Arbeit auf den Feldern und Wiesen nachgingen, änderte sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts das Berufsspektrum. Immer mehr Menschen fanden in den umliegenden Kohlebergbaubetrieben der Firma Rheinbraun, heute RWE-Power, und den neu entstandenen chemischen Betrieben im Chemiegürtel Köln, Hürth und Wesseling Lohn und Brot. Heute leben viele Pendler in Rath, die in Großbetrieben in der Umgebung arbeiten oder Dienstleistungen in den nahen Städten erbringen. Dieser Wandel wird auch an der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Rath deutlich. Gab es 1945 noch 14 Bauernhöfe in Rath, reduzierte sich die Zahl bis 1975 auf sieben Höfe. Heute gibt es noch einen landwirtschaftlichen Betrieb (Martinshof) in Rath.