Teil 4: Die römischen Münzen

Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Nörvenich e.V.

 

Der Arbeitskreis „Archäologie“ informiert. An dieser Stelle wollen wir in loser Folge

über die Arbeit auf dem „Römerfeld“ bei Nörvenich berichten.

 

Teil 4 : Die römischen Münzen

 

Bei unseren Begehungskampagnen 2009 - 2014 konnten 423 römische Münzen geborgen werden. Bis heute sind damit 1092 römische Münzen dem LVR/Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland bekannt. Aber gerüchteweise sollen hier 6000 - 8000  Münzen von Grabräubern verschleppt worden sein.

Gerade für Aussagen über die Zeitstellung von Funden und Befunden sind neben der Gebrauchskeramik auch  Münzen besonders wichtig. Dabei kommt weniger der einzelnen Fundmünze Bedeutung zu, sondern allen an einem Ort gefundenen Exemplaren. Sie bilden die so genannte Münzreihe. Da es in der römischen Antike keine Währungsreform gab, die alte Stücke einzog und für ungültig erklärte, geben einzelne Münzen lediglich einen Anhaltspunkt; sie können frühestens im Jahr ihrer Prägung an den Fundort gekommen sein (Terminus post quem).

Die älteste von uns gefundene römische Münze datiert ins Jahr 32 v. Chr., die jüngste Münze ins Jahr 395 n. Chr. außerdem konnte „Notgeld“ aus Blei gefunden werden, welches um 400 -  450  n. Chr. datiert wird. Diese und andere Schlussmünzen bezeichnen den Terminus post quem, denn jüngere römische Münzen sind zurzeit hier nicht gefunden worden. Der römische Vicus muss also nach 400 n. Chr. aufgegeben oder zerstört worden sein.

 

Der Sieg über andere Völker war eines der wichtigsten Themen auf römischen Denkmälern. Keine Denkmälergattung besaß aber eine so weite Verbreitung wie die Münzen. Sie waren in der Antike der wichtigste Nachrichtenübermittler und Hauptträger politischer Propaganda.

Seit Augustus (27 v. - 14 n. Chr.) lag das Gestaltungsschema für die Münze fest. Bis auf wenige Ausnahmen ist auf der Vorderseite einer römischen Münze der Kaiser oder einer seiner Verwandten dargestellt. Zusätzlich wird sein Name mit seinen Ehrentiteln und Ämtern genannt. Damit kann eine auf das Jahr genaue Datierung der Münze möglich sein. Die römischen Reichsprägungen wurden in speziellen Münzstätten -überwiegend in Rom - geprägt.

 

Das Material der römischen Münzen war Gold für den Aureus.

(leider keinen gefunden)

Silber für den Denarius,  Messing für den Sestertius und den Dupondius und Kupfer für den As, um nur die wichtigsten Sorten im 1. und 2. Jahrhundert zu nennen.

 

  

 

 

Im Jahr 215 n. Chr. kam der silberne Doppeldenar, der Antoninianus, hinzu.

 

Die Münzen standen in folgender Relation:

1 Aureus = 12 ½ Antoniniane =25 Denare = 100 Sesterzen = 200 Dupondien = 400 Asse.

 

 

Der schleichenden Inflation versuchte man in zunehmendem Maße durch Reduzierung des Münzgewichtes und – bei den Denaren – durch Senkung des Feingehaltes an Silber zu begegnen. So wog z. B. ein Aureus zu Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. 8,18 g, gegen Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. nur noch 4,54 g. Der Denar sank im gleichen Zeitraum von 3,89 g auf 2,9; er war schließlich lediglich noch eine Kupfermünze mit 4 Prozent Siberzusatz.

Unter Diokletian (284-305 n. Chr.) kam es im Jahre 294 n. Chr. zu einer umfassenden Währungsreform. 

Der so genannte Follis, eine Kupfermünze mit 2,5-3,5% Silbergehalt, wurde die grundlegende Münzprägung und dann massenhaft geschlagen, so dass diese Kleinmünze auch sehr bald an Wert verlor; ihr Gewicht ging innerhalb von nur 25 Jahren von 5,20 g auf 1,50 g zurück.

Die Goldwährung war ab 309 n. Chr. der Solidus (4,54 g).

 

Ab der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. begann der Wohlstand im römischen Reich zu bröckeln: Germanische Völker fielen in Italien ein, Seuchen wie Pest und Cholera brachen aus. Es kam zu Getreidemangel und Versorgungskrisen und der Handel erlitt empfindliche Störungen. In der Folge stellten sich bald Schwierigkeiten in der Geldversorgung ein. Da die römische Münzverwaltung den Bedarf an Geld im Reich nicht mehr decken konnte, begann man in den Provinzen mit der Herstellung eigener Münzen, die die Funktion von „Notgeld“ hatten.

 

Rheinische Prägungen aus der Münzstätte Köln kennen wir nur aus der Zeit des Gallienus (253 - 268 n. Chr.) und des gallischen Sonderreiches (259 - 273/74 n. Chr.). Hier sind vor allem die qualitätvollen Aurei und Antoniniane aus der Kölner Prägeanstalt zu nennen, die den Sonderkaiser Postumus (259 - 268 n. Chr.) häufig propagandistisch in Beziehung zu Herkules setzen.

 

  

 

Aus dieser Zeit konnten wir überraschender Weise einen Schrötling für solche Münzprägungen bergen. Es handelt sich möglicherweise um einen von einer Gussstange   abgespaltenen Rohling aus einer Bronzelegierung, es fehlt aber die Abbruchfläche. Es sind keine Strukturen erkennbar. Dieser Fund lässt den Schluss zu, dass im Nörvenicher Vicus zur Zeiten des gallischen Sonderreiches im Auftrag der Kölner Münzstätte Schrötlinge hergestellt oder gar Münzen geprägt wurden. Vielleicht, wie auch aus Hambach bekannt, eine Fälscherwerkstatt betrieben wurde. 

 

Auch die ins Imperium einwandernden Völkerschaften begannen nach und nach mit der Ausgabe eigenen Geldes. Dabei handelte es sich zunächst um – mehr oder weniger schlechte – Kopien von römischen Münzen, die den Namen und das Bildnis eines römischen Kaisers trugen. Mit der Zeit jedoch begannen die Germanen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. In der Forschung wird dieser Prozess als «Barbarisierung» bezeichnet. Hier 3 Beispiele von Barbarisierungen:

 

 

Diese 2 Münzen aus Blei. Sie waren wahrscheinlich um 400 bis 450 n. Chr., nach Abzug der römischen Verwaltung und des Militärs, als Notgeld in Umlauf.

 

 

 

 

 

Literatur: Die Münzen der römischen Kaiserzeit Ursula Kampmann  2. Auflage 2011

Die antiken Münzen der Sammlung Heynen  Peter Robert Franke, Ilse Paar Rheinland-Verlag GMBH Köln1976

Münzbestimmung durch Fr. Dr. C. Klages  LVR/ Rheinisches Landesmuseum Bonn und  Hr. Knickrehm Landesmuseum Trier