Teil 5: Amulette

Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Nörvenich e.V.

 

Der Arbeitskreis „Archäologie“ informiert. An dieser Stelle wollen wir in loser Folge

über die Arbeit auf dem „Römerfeld“bei Nörvenich berichten.

 

Teil 5 : Amulette

 

 

Eine besondere Form des römischen Schmuckes sind die Amulette (lat: amuletum = Kraftspender)

Ein Amulett ist ein Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, mit denen er Glück bringen und vor Schaden schützen soll.

 

Hier ein römisches Lunula-Amulett (Kleines Möndchen) aus versilberter Bronze.

Als Gegenstück zur Bulla, das kugel- oder tropfenförmige Amulett der freigeborenen Jungen, erhielten Mädchen als Schutzamulett eine Lunula, einen mondförmigen Metallanhänger, der sie unter den Schutz der Diana und der Luna  stellen sollte.

Diana war in der römischen Mythologie die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt, Beschützerin der Frauen und Mädchen.

Das Amulett wurde dem Kind gleich nach der Geburt zum Schutz gegen böse Geister um den Hals gelegt und bis zur Hochzeit getragen.  Die Mädchen gelangten mit zwölf Jahren ins heiratsfähige Alter. Die Lunulaanhänger waren meist aus Edelmetall gefertigt und wurden an ebensolchen Halsketten getragen. Sie waren als Frauen- und Kinderschmuck über lange Zeit im ganzen römischen Reich weit verbreitet. Daher die Datierung für dieses Fundstück allgemein ins 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr.

 

Der nächste Fund zeigt ein  Bruchstück einer melonenförmigen blauen Glasperle. Sie besaß wohl ursprünglich einen Durchmesser von 2,5 cm.

Solche Melonenperlen finden sich genau so wie die Lunula Amulette häufig in römischen Kinder- und Frauengräbern. Sie waren die weitestverbreiteten Perlen und wurden nie in ganzen Perlenschnüren getragen, sondern als einzelner Anhänger oder in Verbindung mit andersartigen Perlen. Man spricht ihnen magische Kraft und daher Amulettcharakter zu, der wohl von der blauen Farbe ausging. Genau so wie bei dieser Melonenperle, die allerdings nicht aus Glaspaste hergestellt wurde.

 

  

Es ist eine so genannte quarzkeramische Melonenperle. Diese bestehen aus einem Gemenge von Quarzsand und einem organischen Bindemittel, das Alkalisalze enthalten muss, um den Schmelzpunkt des Quarzes herabzusetzen. In einem Brennprozess von ca. 900 Grad verschmelzen die Quarzkörner an der Oberfläche. Danach wurden sie glasiert. Die Herstellung solcher Melonenperlen war in römischer Zeit bisher nur in Ägypten nachzuweisen. Neuere Funde belegen aber auch die Herstellung im römischen Flottenlager in Köln.

Schon im alten Ägypten wurden der Farbe Blau lebensspendende Eigenschaften nachgesagt, sie verkörpert damit das weibliche Prinzip. Später, in der römisch-katholischen Farbsymbolik, ist Blau die Farbe der Gottesmutter Maria.

 

Aber nicht nur Menschen schmückten sich und ihre Kleidung mit Amuletten, auch und vor allem das Zaumzeug ihrer Pferde wurde gerne mit diesen verziert.

 

Das Pelta, eine von den Römern aus dem Griechischen übernommene Bezeichnung für einen leichten, halbmondförmigen Schild, sollte den Kavalleristen und sein Pferd schützen, klappernde und/oder glänzende Blechbeschläge sowie kleine Glöckchen genau so wie Lunulaanhänger sollten böse Geister vertreiben und den bösen Blick abwehren.

Literatur: Archäologisches Institut Köln, Dr. Constanze Höpken  9.Untersuchungen zur Herstellung quarzkeramischer Melonenperlen in einem römischen Militärlager: Terminologie – Technologie – Befund. Xantener Berichte 13, 2003,